Leseeifer kann nicht nur den Einzelnen, er kann die Welt verändern (Horst Köhler)

So viel Begeisterung und Aufmerksamkeit wie ich bei den Schülern in Weilheim gefunden habe, das hatte ich bis dahin noch nicht erlebt", sagt Hans Werner Richter 1982 in einem Interview nach einer der ersten Lesungen in der Literarischen Turnhal­le des Gymnasiums. So oder ähnlich äußerten sich viele der Autorinnen und Autoren, die in den  nun fast 30 Jah­ren am Gymnasium Weilheim zu Gast waren. So schreibt Michael Krüger am 1. März 2002 nach seiner Lesung in Weilheim: "Ich nehme es überhaupt nicht für selbstverständlich, dass Sie so viele Zuhörer zusammengetrommelt haben, um meinen bescheidenen Worten zu lauschen. Dass die Schüler so lieb mitmachen, liegt wahrscheinlich daran, dass man sie ernst nimmt."  Und Bundespräsi­dent Horst Köhler gibt den Mitgliedern der Schüler-Jury zur Verleihung des Weil­heimer Literaturpreises 2006 in seiner Laudatio auf den Preisträger Wole Soyinka folgende Worte mit auf den Weg: Ihr Engagement und Ihr Leseeifer schlagen sich nicht in eigens dafür vergebenen Schulnoten nieder und verbessern nicht unbedingt das Abiturzeugnis, das einige von Ihnen in wenigen Wochen hoffentlich in Händen halten werden – zumindest nicht direkt. Aber Leseeifer kann nicht nur den Einzel­nen, er kann die Welt verändern." (61. Weilheimer Heft zur Literatur, S. 15)

In diesem Sinne ist das zentrale Anliegen des 1980 ins Leben gerufenen Literaturprojekts des Gymnasiums Weilheim die Hinführung zur Gegenwartsliteratur und damit die Leseförderung der Schülerinnen und Schüler in einer Zeit, in der das Lesen von Büchern längst nicht mehr zu den selbstverständlichen Gepflogenheiten des Familienlebens oder des Erwachsenwerdens zählt, aber als  die bedeutendste Kulturtechnik unbestritten bleibt.  Entwicklung und Förderung der Lesefreude und Lesekompetenz sind zentrale Voraussetzungen für die Wahrnehmung von Bildungs- und Berufschancen. Es ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der Schule, dafür zu sorgen, dass das Interesse am Lesen und die Neugierde auf Bücher bei Schülern und Schülerinnen geweckt werden. Das Literaturprojekt des Gymnasiums Weilheim hat mit seiner Kontinuität zur Entwicklung einer schulischen Lesekultur geführt, die entscheidend das Profil der Schule mitbestimmt und beste Voraussetzungen für die Leseförderung schafft.

Jedes Schuljahr hat das Publikum, bestehend aus Schülern, Lehrern, Eltern und Literaturfreunden, bei den abendlichen Lesungen am Gymnasium Weilheim die Möglichkeit, eine andere Dichterin oder einen anderen Dichter kennenzulernen, jedes Schuljahr bieten die Weilheimer Hefte zur Literatur interessante, neue Texte und Leseanregungen, die auf den kommenden Gast vorbereiten. - Diese lange und einzigartige Tradition der Dichterlesungen am Gymnasium Weilheim gibt es nun schon seit 1980, den von Schülern verliehenen Weilheimer Literaturpreis seit 1988.

Aus dieser Tradition entwickelt sich aber auch immer wieder Neues:

Von der hohen Qualität der Lesungen in der Literarischen Turnhalle zeugt  ein in vielen Feuilletons sehr gelobtes Robert-Gernhardt-Hörbuch und in der Lesung im März 2007 präsentierte sich mit großem Erfolg zum ersten Mal eine ehemalige Schülerin des Gymnasiums, Katja Huber.

Zu den Neuerungen zählt  auch das Unterrichtsmaterial, das zu jeder Lesung von der Redaktion der Weilheimer Hefte herausgegeben wird und Schülerinnen und Schüler dazu motivieren will, sich mit Text und Autor bzw. Autorin auseinanderzusetzen. Lektüre des Weilheimer Hefts, gezielte Anregungen zur Arbeit mit der Lektüre  im Deutschunterricht und die Möglichkeit zum Besuch der Lesung bilden so eine Einheit und wollen die jungen Menschen bekannt machen mit Gegenwartsautoren und ihren Werken, um Zugang und Freude an der Literatur und dem Lesen zu entwickeln.